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PraxisBlog

Mikronährstoffe zusätzlich einnehmen – macht es Sinn?

Die Rolle der Nahrungsergänzungsprodukte in der Prävention und Therapie der Erkrankungen wird seit Jahren diskutiert. Die Meinungen gehen weit auseinander…

Die Tatsache ist, dass die Evolution des Menschen über 200 000 Jahre ohne Einnahme von Vitaminen und Spurenelemente stattgefunden hat. Die menschliche Rasse hat trotzdem irgendwie überlebt. Es ist auch wahr, dass die wissenschaftlichen Studien, in welchen einzelne Vitamine – z.B. Vitamin D zur Vorbeugung von Krebs oder bei kardiovaskulären Erkrankungen, Vitamin C bei Sepsis (Blutvergiftung) keine Effekte auf das Überleben zeigen konnten.

Auf der anderen Seite leben wir aktuell sehr unterschiedlich von den Bedingungen, in welchen unsere Evolution stattfand. Wir jagen keine in der Freiheit lebende gesunde Tiere, wir sammeln keine organischen frei wachsende Pflanzen, wir trinken kein sauberes Brunnenwasser, wir gehen nicht ins Bett bei Sonnenuntergang, schlafen 8-9 Stunden und wachen mit der Sonne auf, wir bewegen uns nicht jeden Tag genug, wir arbeiten in verschlossenen Räumen mit künstlichem Licht, sind dem chronischen Stress ausgesetzt und von Mengen an Toxinen und Umweltstoffen belastet.

Die Mikronährstoffe haben im Organismus multiple Funktionen: z.B. Magnesium ist an mehr als 300 verschiedenen Enzymreaktionen im Körper beteiligt. Die Vitamine und Spurenelemente arbeiten zusammen: z.B. bei den Schilddrüsenhormonen braucht man Iod für die Hormonsynthese, Selen für die Hormonaktivierung und Vitamin D die optimale Hormonwirkung. Diese Zusammenarbeit erklärt, warum die Studien wo den Patienten 1 Vitaminpräparat hochdosiert gegeben wird, keine durchgreifenden Effekte zeigen können. Lionel Messi ist mit großer Sicherheit der beste Fußballer der Welt. Aber wenn man ihn allein auf den Spielplatz stellen würde, gewinnt er kein einziges Spiel. Studien, die die Effekte der Mikronährstoffe untersuchen, sind realitätsfern konzipiert.

Die aktuellen Untersuchungen der westlichen Lebensweise zeigen, dass in den USA > 90% der Population erniedrigte Blutwerte für mindestens ein der Schlüsselvitaminen und Spurenelemente zeigt (National Nutrition Survey NHANES). In Europa leiden 45% der Kinder im Alter von 1-5 Jahren und 48% der Frauen im Alter von 15-49 Jahre an der Unterversorgung von wenigstens einem der Schlüsselmikronährstoffe – Zink, Eisen, Vitamin A, Vitamin D, Vitamin B12 oder Folsäure (Lancet Journal).

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